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“Der Wolf in uns” Überlegung und Gebet für die Fastenzeit – zur Vorbereitung des Eurocamps 2009 Liebe Freundinnen und Freunde des Eurocamps, ein großer und herzlicher Gruß an Euch alle. Im Blick auf das kommende Eurocamp schicken wir Euch eine kleine Hilfe für Euer geistliches Leben, in der Hoffnung, dass sie Euch willkommen ist. Diese schlichte Vorschlag nimmt Bezug auf eine kleine Stadt, die wir beim nächsten Eurocamp besuchen werden: Gubbio. Nach der Überlieferung gab es dort eine Begegnung zwischen Franziskus und einem Wolf. Die Kraft des Friedens im Herzen von Franziskus, überwand auch die Schlechtigkeit des Wolfes. In jedem von uns lebt ein “Wolf” … oder auch zwei … Lest unsere Hilfe … denkt nach und betet: Die Fastenzeit ist eine gute Zeit dafür! Lasst uns wissen, wie es Euch gefallen hat! Ciaoooo! Maurizio e Daniela 1. Die Geschichte vom Hl. Franziskus und dem Wolf Franziskus kam eines Tages in die Stadt Gubbio und stellte schmerzlich fest, dass die Bürger voller Schrecken waren wegen eines großen, wilden Wolfes, der in der Umgebung sein Unwesen trieb, indem er Tiere tötete, ja sogar auch Menschen. Er hatte Mitleid mit diesen Menschen und ging auf Eingebung des Herrn hin ganz allein und völlig wehrlos, ihn zu treffen. Als er sich der Bestie näherte, machte er das Kreuzzeichen, hielt sich an den Armen und sagte: „Bruder Wolf, komm her zu mir; ich befehle dir im Namen Christi, dass du nichts Böses tust, weder mir noch irgendjemandem!“ Sofort kam der Wolf zu ihm. Die Leute, die das durch das Blätterwerk beobachteten, hielten den Atem an, während Franziskus sich zum Wolf hinabbeugte und sagte: „Bruder Wolf, du hast viel Schaden angerichtet, indem du über die Geschöpfe Gottes hergefallen bist, ja sogar über Menschen, die nach dem Abbild Gottes geschaffen sind. Dafür verdienst du den Galgen, so wie Diebe und Mörder. Die Menschen schimpfen über dich und sind dir feind. Aber ich will, o Bruder Wolf, dass zwischen dir und ihnen Friede werde.“ Zum Zeichen, dass er diese Worte verstanden hatte, neigte der Wolf den Kopf, und gab durch heftiges Wedeln mit dem Schwanz zu erkennen, dass er den Vorschlag annehme. Um die Verpflichtung genauer zu umschreiben, fügte Franziskus hinzu: „Bruder Wolf, weil du gewillt bist, diesen Frieden einzuhalten, verspreche ich dir, dass du von den Menschen hier, jeden Tag zu Fressen bekommst, so lange du lebst, sodass du nie mehr Hunger leiden musst.“ Der Wolf stellte sich auf die Füße, erhob seine Vorderpfote und legte sie zum Zeichen des Friedens in die Hand des Heiligen, der sie froh und lachend drückte, während die Anwesenden bestürzt weinten. Seit jenem Tag ging das zahme Tier in den Häusern ein und aus und bekam reichlich zu fressen. 2. Wort Gottes aus dem Brief an die Römer (7, 14-25) 14 Wir wissen, dass das Gesetz selbst vom Geist bestimmt ist; ich aber bin Fleisch, das heißt: verkauft an die Sünde.15 Denn ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse.16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, erkenne ich an, dass das Gesetz gut ist.17 Dann aber bin nicht mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde.18 Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen.19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will.20 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde.21 Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute tun will.22 Denn in meinem Innern freue ich mich am Gesetz Gottes, 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt und mich gefangen hält im Gesetz der Sünde, von dem meine Glieder beherrscht werden.24 Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten? 25 Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! 3. Wir denken nach Der Wolf, der in uns ist. Die Aggressivität heilt auch durch das Geheimnis der Verletztheit. Wenn ich die Tiefe Erfahrung habe, von Jesus geliebt zu sein, von ihm in meiner Verwundung berührt zu sein, wenn diese Wunde der Ort ist, in dem Er sich mir offenbart, hab ich nichts mehr zu verteidigen. Je mehr wir Verantwortung haben, umso mehr müssen wir Jesus Raum geben, damit er uns in unserer Verwundung erreicht. Man verliert keine Zeit im stillen Gebet! Man erlaubt, dass Jesus uns dort berührt, wo wir in uns am meister gebrochen, verletzt, am meisten verwundbar sind: Das ist das Geheimnis des Gebetes. Das ist eines der absolut notwendigen Elemente für die Heilung. Jesus ist ein feinfühliger Pädagoge. Jeden führt er auf seine eigene Art. Da gibt es Leute, die haben das Temperament von Hündchen. Sie schreien ununterbrochen, um von Jesus geheilt zu werden, aber sie werden nie geheilt. Ihr Leben vergeht in Erniedrigung. Es ist sehr erniedrigend, Ausbrüche oder Eifersuchtskrisen zu haben: Das bedeutet, mit den eigenen Verwundungen zu leben. Entdecken müssen, dass in unserem Inneren Verletzungen sind, das führt zu einer großen Demut. Es gilt eine menschliche Weisheit zu lernen, unsere aggressive Energie zu gebrauchen. Wenn wir in uns ein Übermaß an Energie entdecken, die in Aggressivität umschlägt, dann ist es wichtig zu entdecken, wie sie auf andere Weise benützt werden kann. Die (Mess-)Feier ist ebenfalls eine wichtige Weise, um Energien zu kanalisieren: In unserem Leben gibt es eine große Weisheit. Bei uns in der Arche, haben wir viele Feiern mit Lachen und Entspannung, die ängstlichen Menschen helfen, nicht aggressiv zu sein. Gott ist ein außerordentlicher Erzieher. Er sät aus und lässt dann keimen und wachsen. Er gibt Antwort auf unsere Fragen, und wenn er nicht antwortet bedeutet das, dass wir warten müssen. Er Antwortet nicht immer direkt, manchmal müssen wir uns in Gruppen zusammensetzen, müssen einer dem anderen vertrauen. Für den Verantwortlichen ist es ein Hinabsteigen in die Erniedrigung, die Armut und die Entdeckung, dass wir Sünder sind, aber auch Versöhnte, und das gibt uns die Kraft, weiter zu kommen. (Jean Vanier) Aber nicht nur … 8. Was aber bedeutet das Vergeben konkret? Und warum müssen wir vergeben? Das Sprechen über die Vergebung kann diesen Fragestellungen nicht ausweichen. Indem ich eine Überlegung aus meiner Botschaft zum Weltfriedenstag 1997 (»Biete die Vergebung an, empfange den Frieden«) wieder aufgreife, möchte ich daran erinnern, dass die Vergebung, noch bevor sie ein gesellschaftliches Faktum wird, ihren Sitz im Herzen eines jeden hat. Nur in dem Maße, in dem sich eine Ethik und eine Kultur des Vergebens herausbildet, kann man eine »Politik der Versöhnung« erhoffen, die ihren Niederschlag in sozialen Verhaltensweisen und rechtsstaatlichen Einrichtungen findet, in denen die Gerechtigkeit selbst ein menschliches Antlitz annimmt. In Wirklichkeit ist die Vergebung eine persönliche Entscheidung, eine Option des Herzens, die sich gegen den spontanen Instinkt richtet, das Böse mit dem Bösen zu beantworten. Diese Option findet ihr Richtmaß in der Liebe Gottes, die uns trotz unserer Sünde annimmt. Ihr höchstes Vorbild ist die Vergebung Christi, der am Kreuz gebetet hat: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« (Lk 23, 34). Die Vergebung gestaltet sich daher nach göttlichem Ursprung und Maß. Dies schließt allerdings nicht aus, dass man ihren Wert auch im Licht vernünftiger menschlicher Überlegungen erfassen kann. Als erste von allen jene, die mit der Erfahrung zusammenhängt, dass der Mensch, der Böses begeht, in sich selbst verschlossen lebt. Er wird sich seiner Zerbrechlichkeit bewusst und hofft auf die Nachsicht der anderen. Warum also sollte man sich den anderen gegenüber nicht so verhalten, wie man selbst behandelt zu werden wünscht? Jeder Mensch hegt in sich die Hoffnung, das Leben in seinem Verlauf von neuem beginnen zu können und nicht für immer Gefangener der eigenen Irrtümer und Schuld zu bleiben. Er träumt davon, den Blick wieder zu erheben und in die Zukunft zu richten, um noch Perspektiven des Vertrauens und des Einsatzes entdecken zu können. 9. Als menschliche Handlung ist die Vergebung zunächst eine Initiative des Einzelnen in seiner Beziehung zu den anderen, ihm ähnlichen Geschöpfen. Der Mensch hat jedoch eine wesentliche soziale Dimension, kraft welcher er ein Netz von Beziehungen knüpft, in denen er sich selbst zum Ausdruck bringt — leider nicht nur im Guten, sondern auch im Bösen. Die Folge davon ist, dass sich die Vergebung auch auf sozialer Ebene als notwendig erweist. Die Familien, die Gruppen, die Staaten, die Völkergemeinschaft selbst müssen sich der Vergebung öffnen, um unterbrochene Verbindungen wieder aufzunehmen, um Situationen einer fruchtlosen gegenseitigen Verurteilung zu überwinden, um über die Versuchung zu siegen, die anderen auszuschließen, indem man ihnen die Berufungsmöglichkeit verwehrt. Die Fähigkeit zur Vergebung liegt jedem Plan für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft in der Zukunft zugrunde. 14. Gebet für den Frieden nicht ein Element, das dem Einsatz für den Frieden »nachfolgt«. Im Gegenteil, es liegt dem Bemühen um die Herstellung des Friedens in Ordnung, Gerechtigkeit und Freiheit am Herzen. Beten für den Frieden heißt, das menschliche Herz dem Eindringen der erneuernden Kraft Gottes öffnen. Gott kann durch die belebende Kraft seiner Gnade selbst dort Öffnungen für den Frieden schaffen, wo es nur Hindernisse und Abriegelungen zu geben scheint; trotz einer langen Geschichte von Trennungen und Kämpfen vermag er die Solidarität der Menschheitsfamilie zu stärken und auszuweiten. Beten für den Frieden heißt beten für die Gerechtigkeit, für eine angemessene Ordnung innerhalb der Nationen und in ihren Beziehungen untereinander. Das heißt auch beten für die Freiheit, besonders für die Religionsfreiheit, die ein menschliches und ziviles Grundrecht eines jeden Individuums ist. Beten für den Frieden heißt dafür beten, die Vergebung Gottes zu erlangen und gleichzeitig im Mut zu wachsen, den jeder nötig hat, der seinerseits die erlittenen Verletzungen vergeben will. (Aus der Botschaft Johannes Paul II. zum Welttag des Friedens am 1. Januar 2002) 3. Lasset uns beten Herr, die Welt ist voll von Gewalt und Krieg, so wie es auch zur Zeit des Franziskus von Assisi war. Die Menschen lebten oft in Angst und ohne Hoffnung für die eigene Zukunft und die des Volkes. Befreie, Herr, die Welt von Krieg, Gewalt und Unrecht, schenke allen jenen Frieden, den nur du geben kannst. Gib Frieden vor allem jenem Land, das du durchwandert hast und wo du das Evangelium vom Reich Gottes verkündet hast, du, der du Gott bist und lebst und regierst mit dem Vater und dem Heiligen Geist in alle Ewigkeit. Amen (Aus der Gemeinschaft von Sankt Egidius) Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten, nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. 4. Und zum Schluss ein Funke Weisheit … (Bildpräsentation von der Geschichte der zwei Wölfe) 5. … begleitet mit einer Bitte In dieser Fastenzeit will ich das Sakrament der Beichte empfangen, um den bösen Wolf in mir zu besiegen und den guten Wolf zu ernähren.
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